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Expedition ins Frankenland – Teil 1

Werbung ohne Auftrag. Es gibt ja so Reiseziele, da stimmt einfach alles. Wunderschöne
Landschaft, herzensgute Menschen, tolles Essen. Niemand würde etwas anderes
erwarten, wenn er zum Beispiel in die Toskana führe. Doch Franken? Ganz
ehrlich, bisher hatte ich das einfach nicht auf meinem Plan. In Franken reden
sie doch so komisch. Und die Franken gehören auch nicht zu den Stämmen, die
ständig alle mit ihrer Begeisterung über die eigene Existenz belästigen. Eher
im Gegenteil, es sind immer die Franken selbst, die auf ihre wenig
extrovertierten Umgangsformen hinweisen. A weng sperrig nennen sie das. In
einem anderen Zusammenhang habe ich diesen Ausdruck noch nie gehört. Auf diese
Art halten die Einheimischen quasi geheim, wie schön es in der Region um
Nürnberg ist.

Aber irgendwann musste das ja vorbei sein. Spätestens
seit dem Foodcamp Franken 2014 ist da nix mehr zu machen. Franken ist top, und
jetzt wird es sich überall herum sprechen. Foodblogger aus ganz Deutschland und
aus England haben die Region entdeckt und ich durfte an der atemberaubenden
Tour teilnehmen.

Nürnberger Bratwürste, Bratwursthäusle
Nürnberger Rostbratwürstchen, auf Buchenfeuer gegrillt.

Mit einer Kleinstgruppe, bestehend aus Jörg und Torsten, kam
ich am Donnerstag, pünktlich zur Mittagszeit, in Nürnberg an. Wir checkten in
das nagelneue Sorat Hotel Saxx am Hauptmarkt ein. Wir wurden freundlich begrüßt und beschenkt, mit
Lebkuchen, Spielzeug und Bier, was man halt so braucht. Nur wenige Schritte vom
Hotel entfernt warteten schon die bereits eingetroffenen Foodcamper bei
feinstem Sommerwetter, unter lauschigen Bäumen auf der Terrasse des
Bratwursthäusle. Dort kamen zunächst einzeln und dann auch in ernst zu
nehmenden Mengen herrliche Nürnberger Bratwürste an, über Buchenfeuer gegrillt,
als blaue Zipfel, in würzigem Sud gar gezogen und in der geräucherten Variante.
Dazu gab es Kartoffelsalat, mit Fleischbrühe angemacht, Sauerkraut, fränkischen
Meerrettich und Brezeln, alles sehr schmackhaft und appetitlich. Mit Nürnberger
Rostbratwürsten, wie sie außerhalb von Nürnberg serviert werden, hat das nur
wenig zu tun.

Werner Behringer, Bratwursthäusle
Werner Behringer, Chef vom Bratwursthäusle, empfiehlt Bratwürstchen.
Bratwursthäusle im  Oktober 2014

Mit dem Bus, der uns während des gesamten Foodcamps etwa 436km durch Franken fahren sollte, ging es nach Schnaid zu Andreas Gänstaller.
Andreas braut handwerkliches Bier in einem alten Brauhaus, mit Kühlschiff
unterm Dach. Der ganze Vorgang des Brauens, der normalerweise für Zuschauer nicht sehr
unterhaltsam ist, wird dadurch höchst spektakulär. Andreas ließ vor unseren
Augen die heiße Würze auf den Hopfen in das riesige Becken fließen. Danach gab
es in seiner improvisierten Probierstube drei abgefahrene untergärige Biere zu
probieren, ein sehr köstliches Zwickel, ein bombastisch-fruchtiges
Doppelbock-Weizen und ein pfeffriges Baltic Porter. Alle Biere bewegten sich
auf einer Qualitätsstufe, auf der ich nicht mehr gerne unterscheide, jedes für
sich war eine Sensation.

Brauerei von Andreas Gänstaller, Schnaid
Weinexperte wartet auf die Würze
Die heiße Würze fließt in das Kühlschiff
Wellness mit heißen Hopfendämpfen

Die nächste Sensation wartete auf uns in der Nürnberger
Altstadt, wo wir am Abend im Essigbrätlein angemeldet waren. Sein Ruf eilt
diesem 2-Sternetempel zwar voraus, doch mir war nicht klar, wie großartig
dieser Abend werden würde. Das gemütliche Altstadthaus empfing uns mit einladend
warmer Atmosphäre, die wir sogleich mit Leben füllten. Das freundliche und
sympathische Team bewirtete uns mit einem Feuerwerk aus Gemüse und anderen
Pflanzen, Fisch, Täubchen und Schokolade. Wer hätte gedacht, dass „Brotcreme“
sowas Tolles ist? Oder fermentierte Erbsen? Dass ich wirklich Eberesche
gegessen habe? Dass Täubchen auch saftig und lecker sein kann? Und dass man
sich in einem Sternerestaurant hinterher noch gierig Schokolade mit Nüssen,
Kräutern oder Himbeeren in den Mund stopft? Nicht, weil man nicht satt geworden
wäre, sondern einfach deshalb, weil es so schön war und bitte nicht aufhören
soll. Die ganze Zeit begleiteten passende Weine jeden einzelnen Happen und ich
bedauerte sehr, dass meine Aufnahmekapazität für Alkohol eigentlich schon nach
den ersten beiden Gläsern erschöpft war. Was mich aber nicht davor bewahrte,
nach dem Essen noch in ein Taxi zu steigen und mir irgendwo in einer Bar einen
Eimer voll Negroni servieren zu lassen. – Nürnberg, Du bist großartig!

Nun folgt ein ganz kleiner Blick durch die trübe Linse auf eine Sache, die sowieso viel zu groß war, um sie auf Bildern festzuhalten. Insgesamt hatten wir sieben Gänge plus einiger Appetithappen, plus Brot und Bohnenbutter, plus Schokolade und mit passender Weinbegleitung. 

Essigbrätlein, Nürnberg
Dritter Gang: „Bohnen mit Zwiebel“, – für viele von uns war es der Lieblingsgang des Abends.
Essigbrätlein, Nürnberg
5. Gang: „Karotten mit Kräutern“, – und Eberesche.
Essigbrätlein, Nürnberg
Das Foodstyling zeigt Humor. Am Ende der „Blutspur“ aus Brombeeren befindet sich ein butterzartes Täubchen.
Essigbrätlein, Nürnberg
Bitte, lass diesen Abend noch nicht vorbei sein, – das war sooo schön!

Das war Teil 1 meiner Expedition nach Franken. Mehr von dieser Reise erzähle ich bald an dieser Stelle!



Alle Links zum Foodcamp Franken 2014

Foodcamp Franken 2014 fand vom 16. – 19. Oktober 2014 mit Basis in Nürnberg statt. Die Reise wurde organisiert von Florian Bailey, Torsten Goffin, Anja Reinhardt und Claudia Hinnerkopf (beide Bayern Tourismus Marketing GmbH). Allen, die diese Reise möglich gemacht haben, danke ich auf Knien. – Nicht nur, weil die Kosten dieser Reise von Bayern Tourismus Marketing übernommen wurden. So viel Liebe und Herzblut wie in dieser perfekt organisierten Veranstaltung steckt, kann man sowieso nicht in Zahlen ausdrücken. Darüber hinaus danke ich den fleißigen und ehrlichen Handwerkern, die uns ihre Stuben, die Wurstküche, die Backstube, ihre Keller und ihre Weinberge geöffnet haben, und die uns am Samstag in Nürnberg besuchten!

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