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Mein Weg nach oben

Oder: Eine Reise in die höheren Lagen Graubündens

Graubünden hätte ich nie verlassen sollen. Eigentlich stand der Plan ziemlich schnell fest, dass ich nicht wieder abreisen würde. Rauf auf die Berge wollte ich, das Licht und die klare Luft genießen. Irgendwas würde mir schon einfallen, diesen Spaß nicht enden zu lassen, wenn ich nur erst dort wäre. Zuerst aber musste ich einmal hinkommen. Und dabei hatte ich mich auch noch ziemlich zu sputen. Um 13:58 Uhr sollte ein Sonderwagen der Rhätischen Bahn am Bahnhof von Chur auf mich warten. Das heißt, warten würde er vermutlich nicht, denn in der Schweiz pflegen die Bahnen pünktlich zu fahren. Um also ebenfalls pünktlich in der Bündner Metropole (34.000 Einwohner) am Bahnsteig zu stehen, reiste ich in die Schweiz mit dem Flugzeug und ließ mich angenehm erstklassig von der Schweizer Bahn nach Chur bringen. Graubünden. hatte mir zu diesem Zweck einen Swiss Pass für das Netz der SBB zur Verfügung gestellt.

Köln-Bonn Airport, ziemlich früh

In Chur klettere ich bei strahlendem Sonnenschein und brütender Hitze aus dem Zug und etwas später

treffe ich meine kleine Reisegruppe. Das Team von Graubünden, Franzi und Jeannine, nimmt uns herzlich in Empfang. Mit Petra / Foodfreak bin ich schon ab Zürich gemeinsam gereist und im Bahnhof lerne ich Ailine / Aicuisine und Henrik / WHUDAT kennen. Die weiteren sechs Mitreisenden haben jeweils paarweise die Teilnahme bei Facebook gewonnen.

Chur, Sommerwetter

Und dann startet das Fanevent auf die stilvolle Art: Im Piano Barwagen der Rhätischen Bahn begeben wir uns auf eine der spektakulärsten Bahnstrecken Europas. Während die Reisegruppe im gediegenen Ambiente des alten Pullmanwagens mit Pinot Blanc aus Fläsch auf eine schöne Reise anstößt, schraubt sich der Zug hinauf, auf die Berninastrecke.

Piano Bar RhB

Pinot Blanc aus der Bündner Herrschaft

Immer wieder halte ich den Kopf aus dem Fenster und genieße den Fahrtwind, während der Zug durch die unglaubliche Landschaft in die Höhe steigt. Auf 2.234 m.ü.M zieht der Lago Bianco an uns vorbei, riesengroß und in unwirklichem Südseeblau. Wenn die Scheiben des Luxuswagens nicht geöffnet wären, würde ich die Farbe wahrscheinlich für einen Trick halten.

Lago Bianco, Südsee mitten in den Alpen

Unser erstes Etappenziel erreichen wir nach fast drei Stunden Fahrt. Alp Grüm, eine Bahnstation auf 2.091 m.ü.M, die nicht mit dem Auto erreichbar ist.

Station Alp Grüm

Rund 100 Meter oberhalb der Station liegt unser Hotel. Obwohl ich ein bisschen fluche, weil ich den schweren Koffer schleppen muss, freue ich mich auf das, was mich erwartet.

Blick nach oben, von der Station zum Hotel

Auf dem letzten Stück vor dem Bergrestaurant Belvedere kommt mir Battesta Albin, der Wirt, entgegen und schnappt sich meinen Koffer.

Mit seiner Frau, Annamaria, hat Battesta hier oben etwas Einmaliges geschaffen. In vollkommener Abgeschiedenheit (das Haus ist mit dem Auto nur umständlich über einen alten Ziehweg erreichbar) bieten sie Gästen ein gemütliches Nest und anständige Bündner Kost. Die meisten Zimmer sind sehr einfach, aber einladend und sauber. Luxuriös wirkt dagegen die nach Arvenholz duftende Alpensuite, die sowohl ein komfortables Mehrbettzimmer mit Specksteinofen sein kann, als auch (mit hochgeklappten Wandbetten) ein freundlicher Seminarraum. Dass man sich im Belvedere die Duschen und WCs mit anderen Gästen teilen muss, empfinde ich nicht als Nachteil. Die Anlagen sind modern und sehr sauber.

Nachdem die Batterie meiner Kamera schon längst schlafen gegangen ist, zaubert Annamaria mit der netten Serviertochter leckere Capuns auf den Tisch. Die Krautwickel gelten als Bündner Nationalspeise und werden in jedem Haushalt ein bisschen anders zubereitet. Im Grunde handelt es sich um Spätzleteig, der mit Trockenfleisch (Landjäger, Salsiz, Schinken, Bündnerfleisch, je nach dem…) angereichert und in Schnittmangold eingewickelt wird. Meist werden die Röllchen dann in einer Mischung aus Brühe und Sahne im Ofen gebacken. – Sehr lecker! Danach folgt das ewige Mysterium der Schweizer Berggasthäuser. Immer wieder staune ich darüber, wie es den Schweizern nur gelingt, selbst in den entlegensten Höhenlagen der Alpen frischen Salat auf den Tisch zu bringen. Verstehen werde ich es wohl nie. Der Hauptgang ist üppig und schmeckt mir sehr gut. Zum Kalbsbraten gibt es Bramata (grobe Polenta) mit dicken Butterflocken und Rahmsauce. Dazu nehme ich ein ganz ausgezeichnetes Palü Bier. Annamaria ermuntert uns mehrfach, noch nachzunehmen, bevor sie den Nachtisch aufträgt, kleine Tässchen mit Schaum aus Zwetschen und etwas Rotwein.

In der Nacht vermisse ich die Geräusche. Das ganze Haus ist vollkommen still und von draußen hört man gar nichts. Das Fanevent Graubünden hat ganz groß angefangen. Ich bin gespannt, wie es am nächsten Tag weitergeht.

Aber das erzähle ich im nächsten Beitrag.

(…)

Henriks Geschichte über unsere Reise nach Graubünnden

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