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Klassisch und experimentell: Bordeaux in Ehrenfeld
#bordeauxlicious

Normalerweise freue ich mich, wenn ich auf ein schönes Essen mit Bordeaux-Wein eingeladen werde. Wenn Bordeaux auf den Tisch kommt, dann darf man erwarten, dass es ein bisschen festlich wird. – Gestern Abend waren es die Bordeaux-Weine, die mich ins Marieneck nach Ehrenfeld einluden. Das Essen sollte ich selber kochen, zusammen mit einigen anderen Bloggern, hieß es in der Einladung. 

Sebastian Bordthäuser, Sommelier mit Germanistikhintergrund, gab uns einen Einblick in die Vielfalt der Bordeaux-Weine, die nicht immer nur schwer und teuer sein müssen. Das riesige Anbaugebiet im Südwesten Frankreichs bringt neben den klassischen, körperreichen Begleitern zu Rindfleisch und Schmorgerichten auch erstaunlich frische und fruchtige Weine hervor, die mühelos die frische und moderne Küche begleiten.

Tippschein

Beim Blindtest der Aromen versage ich auf ganzer Linie. Wo ich Speck rieche, ist eigentlich Kaffee im Glas.

Stevan Paul hat sich zuvor schon für die Kampagne der Bordeaux-Weine acht passende Begleiter ausgedacht. – Nun sind wir diejenigen, die ran müssen! Für die Bloggerrunde ist der Autor/Blogger/Koch/Food-Stylist ausgiebig einkaufen gegangen und hat einen üppigen Warenkorb aus frischer Herbstware zusammengetragen. Die Foodblogger sollen daraus ein viergängiges Menü nach ihrem Geschmack kochen. Unter den Bordeaux-Weinen, die uns zur Verfügung stehen, wählen wir jeweils eine klassische Kombination und eine eher ungewöhnliche Weinbegleitung.

Sofort bricht im Marieneck fröhliche Betriebsamkeit aus. Die meisten der Anwesenden kennen sich in der Ehrenfelder Kochschule ganz gut aus. 

Ich habe Glück und darf mit Maja und Johannes den Nachtisch zubereiten! Die beiden sind sofort auf dem selben Trip und wollen was mit Rote Bete machen, Hauptsache Gemüse im Nachtisch. Der grobe Fahrplan steht also fest: Maja macht einen saftigen Kürbiskuchen mit Schokolade. Johannes bereitet Birnen mit Rote Bete in Weißwein zu, und reicht dazu einen Dill-Zucker. Ich begleite das Ganze mit einer Creme, die möglichst intensiv nach Pastinake schmecken soll. Eigentlich habe ich das große Los gezogen, denn meine Aufgabe ist wirklich nicht die Schwierigste.

Rote Bete, Birne, Dillzucker

Johannes kann aus Birnen Erdbeeren machen. Aus Rote Bete, Birnen und Weißwein zaubert er etwas ganz Frisches und Fruchtiges.

Süße Pastinakencreme

(leider ohne Gewichtsangaben) Pastinaken schälen und grob in Stücke schneiden. Mit einer Prise Salz in reichlich Butter ganz langsam braten, bis die Stücke von allen Seiten goldbraun sind und ein intensives Aroma entwickeln.

Reichlich Sahne aufgießen und bei schwacher Hitze köcheln lassen, bis die Pastinakenstücke weich sind. Mit einem Pürierstab gründlich mixen und danach durch ein Sieb streichen. Mit Salz und Zucker abschmecken. Vor dem Servieren nochmals erhitzen und mit dem Pürierstab etwas aufschäumen.

Während der Kuchen abkühlt und das Kompott durchzieht, machen wir uns über vier wunderbare Gänge mit jeweils zwei Weinen her:

Saibling, Pastinakenchips, Rosenkohl, Pink Curry

Saiblingstatar auf lauwarmen Rosenkohlblättchen mit Petersilienwurzelchips, gebratenem Saibling und Pink-Curry-Creme von Astrid und Claudia. Klassischer Weintipp: Chartron La Fleur (Bordeaux Blanc), experimentell: Monconseil Gazin (Blaye Côtes de Bordeaux)

Räucherforelle, Graupen, Sauerteigbrot

Forellenterzett von Torsten, Annette und Kerstin: Räucherforelle auf selbstgemachtem Sauerteigbrot, Graupen, Forellenessenz mit Nocken. Klassischer Weintipp: Château Penin (Clairet), experimentell: Château Monconseil Gazin (Blaye Côtes de Bordeaux).

Kaninchenleber mit Brombeere, Nierchen und Bauchlappen

Schon öfter versucht, aber zum ersten Mal wirklich Spaß dabei gehabt: Kaninchen schmeckt mir überraschenderweise doch! Die beiden Kaninchengänge kamen von Sophia Christian und Michael: Leber mit Brombeere, Feldsalat, Nierchen und Bauchlappen. Klassischer Weintipp: Château Mémoires (Cadillac). Experimenteller Weintipp: Château Rauzan Despagne (Rosé).

Lapin au Vin | pastasciutta

Nicht, dass hier Missverständnisse aufkommen, ich hatte extra um das kleinere Kaninchenbein gebeten! Es stellte sich heraus, dass das ein Fehler war, aber na gut, es war wirklich allein meine Schuld. Das butterzarte Fleisch wurde von einer kräftigen Sauce aus Wein und Sternanis begleitet. Mit der dunklen Sauce hat sich Michael wohl den Titel „Saucen-King“ eingefangen. Klassischer Weintipp: Château de la Rivière (Fronsac), experimenteller Weintipp: Château Puybarbe (Côtes de Bourg).

Rote Bete, Birne, Kürbis, Pastinake, Dill | pastasciutta

Ebenfalls sehr überraschend fand ich unseren eigenen Gang. Wenn man sich so ad hoc darauf einigt, zu dritt etwas aus vorhandenen Zutaten zusammenzustellen, dann gibt es keine Möglichkeit für Testläufe. Mit dem Konzept Gemüse zum Dessert beschritten wir auch nicht gerade den ausgelatschten Rotweinwanderweg. Umso erstaunlicher war es für mich, wie harmonisch sich das alles auf dem kleinen Tellerchen zusammenfügte. Klassischer Weintipp: Reserve Mouton Cadet (Sauternes), experimentell: Château Penin (Clairet).

Herzlichen Dank an Bordeaux-Wein für die Einladung, es war ein großartiger Abend! Vielen Dank auch an alle, die dabei waren, es hat großen Spaß gemacht!

Eine wunderschöne Beschreibung des Abends gibt es auf Nachschlag bei Johannes J. Arens. Er verrät auch, wie aus Rote Bete und Birne so ein knallroter Knaller wird. 


Der Küchenjunge Christian Lersch hatte zu Beginn des Abends seine Kamera unter der Decke festgeschraubt. Das Video zeigt einen großen Teil des Abends im Zeitraffer. – Was geschah, nachdem die Batterien leer waren, wird nie jemand erfahren!

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