Ich erzähl dir mein Essen…


Ferienabschluss


Die blitzsaubere Küche steht in einer warmen Bündner Gaststube, blankes Edelstahl fügt sich in holzgetäfelte Gemütlichkeit. Gut gelaunte Gäste, die voller Vorfreude warten und kleine Brote aus Tontöpfchen mit frisch geschlagener Kräuterbutter verzehren. Die freundliche Serviertochter bringt ein paar Scheiben gefüllte Kalbsbrust, die fast schon als komplette Mahlzeit durchgehen. Das dünn geschnittene Fleisch schmeckt aber so unwiderstehlich frisch, dass jede Vernunft besser gleich über Bord geht. Zum Amuse gueule gibt es Rosé mit Holunderblütensirup und Wasser, frisch vom Brunnen vor der Tür.

Manch ein Koch träumt davon, in solch einem Szenario seine Gäste zu bewirten. Die Küche so offen, wie es überhaupt nur geht, enger Kontakt, herzliche Gastlichkeit, einfach nur kochen, was einem selber schmeckt. So bereitet man Speisen für Leute, die gerne essen. – Obwohl ich den Reiz solcher Träume gut verstehen kann, träume ich seit heute etwas anderes: Beat Reinmann steht am Herd und kocht das, was er gerade kocht. Mir ist egal was es ist, es wird schon schmecken.

Die Ustria Casa Da Luzi hat mich vom ersten Augenblick an überzeugt. Als ich den sympathischen Gastgeber durch seine Küche schreiten sehe, ist mir instinktiv klar, dass hier nur Gutes wartet. Die Speisekarte trägt der Meister mündlich vor und ich glaube ihm jedes Wort. Hier kocht einer, der mit Liebe bei der Sache ist.

 

Den Wein suchen wir selber aus. Im Felsenkeller lagern Rotweine, die von den Gästen geöffnet werden.

Für mich gibt es Entenleber mit Salat.

Pastetli mit Kalbfleisch. – Nein, nicht auch noch für mich!

Lammentrecote aus dem Val Lumnezia. Der Hirschbraten aus eigener Jagd fiel leider meiner Gier zum Opfer. Für’s Foto zu spät.

Beilagen für alle, mitten auf dem Tisch. Möhren und gebratene Pizokels.

Das beste Risotto, das ich je gegessen habe. – Echt!

Nachtisch war nicht lebensnotwendig aber köstlich: Vanilleglace mit hausgemachtem Anisschnaps.

Als wir uns nach dem Mittagsmahl zufrieden zurücklehnen, duftet es schon wieder so verführerisch aus der Küchenecke, dass der Sättigungszustand kurz verfliegt. – Verdammt nochmal, da will wohl jemand bezwecken, dass wir noch einmal wiederkommen!

Ustria Casa Da Luzi

Beat Reinmann

CH-7115 Surcasti

www.casa-da-luzi.ch


17 Antworten zu “Ferienabschluss”

  1. Klingt ja nach einem Juwel.
    Ich mag diese scheinbar einfach rustikale Küche, die durch Qualität der Zutaten und Purismus besticht.
    Falls ich nicht zufällig grad in der Nähe bin, ist es leider viel zu weit für mich.

  2. Da kann man nur seufzen: Ach! (Schneller essen als die Kamera knipsen kann, das kenn ich…)

  3. Was für ein Menü. Und das Schönste daran ist Deine Kommentierung!
    Du hörst Dich sich gut an.

  4. Das klingt in der Tat nach einem würdigen Urlaubsabschluß.
    Ich habe gar nicht erst versucht, bei unserem letzten Restaurantbesuch zu fotografieren (obwohl ich die Kamera dabeihatte). So gut sah das Essen nämlich nicht aus.

    Und handgeschlagene Butter … da bringst Du mich jetzt auf Schnapsideen.

  5. Da hast du ja eine Perle gefunden. Leider gibt es dass viel zu selten. Schade!

  6. Danke, dass Du uns mit diesen beeindruckenden Fotos und diesem wundervollen Bericht den Mund wässrig machst 😉

  7. @Suse: Qualität ist das richtige Stichwort. Für mich stimmt hier einfach alles.

    @Genießer: Gutes Essen ist immer zu schnell ;o)

    @Anonym: Schweiz? Teuer?

    @Freundin: Danke! :o))

    @Hesting: Wahrscheinlich habe ich mich mit der Formulierung etwas vergaloppiert. Selbstgeschlagene Butter war wohl das, was die sympathische Bedienung sagte.

    @Peter: Kommt darauf an, wo man sich gerade befindet ;o)

    @Frau Kampi: Wirklich zu selten sowas, da hast Du recht.

    @Sabine: Für Dich dürfte das doch erreichbar sein, wenn ich da jetzt nicht ganz falsch liege, oder?

  8. Ach schön, das war jetzt ein richtig toller kleiner Ausflug für mich, der großen Appetit gemacht hat!

  9. Ich hab' mal den Routenplaner befragt: Nur von Bellinzona aus gerechnet sind es schon ca. 140 km, dafür muss man bei dieser Strecke mindestens zwei Stunden kalkulieren, evtl. noch mehr. Ich werfe schon mal den Helikopter an 😉

  10. Fernweh – ich will da hin, sofort! 😉

    Danke fürs Mitnehmen und diese super Bilder!

  11. Wow, die Adresse ist notiert und in den Koffer kommen garantiert nur Hosen mit Gummizug, die muss ich allerdings erstmal naehen oder einkaufen, bis dahin werde ich mir den Post einfach immer mal wieder angucken und vorfreudig an den Gaumenschaus denken!!! ;0)
    Willkommen zurueck, freu mich, dass Du wieder da bist… ;0)
    GLG Maren

  12. Wow, was für eine wunderbare Adresse! Notiert! Irgendwann mal!
    Das ist genau mein Geschmack, das Essen, das Ambiente, dieses lockere, aber stilvolle…..
    VG,
    Claudi

  13. Ich habe die Formulierung mit der handgeschlagenen Butter inzwischen geändert. Irgendwie hat es mich doch gestört.

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