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Dem Haferdrink aufs Etikett geschaut

Wie der flüssige Hafer schmeckt und warum

Frisch auf hoher See gefangen: Hafermilch!

 

 

Was ist so toll an der viel
gelobten Hafermilch aus dem Kühlregal? Mit ungefähr zwei Euro pro Liter lässt
sich die Neugier im nächsten Supermarkt stillen. Dafür hätte es ungefähr die doppelte Menge Kuhmilch gegeben. Aber ich war bereit, diese Summe übers Laufband zu reichen und wagte den Test. 

 

Wobei das Wagnis im Grunde gar keins
war. Der Luxus-Haferdrink besteht im Wesentlichen aus Wasser (etwa 88%) und
Hafer (10%). – Hafer mag ich, mag ich sogar sehr gern. Daneben enthält das
Produkt etwa 2 % Rapsöl, also zwei gute Esslöffel pro Packung. Alle anderen
Zutaten haben einen verschwindend geringen Anteil an der Rezeptur. Dikaliumphosphat
ist als Säureregulator ausgewiesen, sorgt aber vermutlich auch dafür, dass das Kochsalz im niedrigen Bereich von 0,1% bleiben kann. Calciumcarbonat wirkt ebenfalls gegen Säure
und trägt dazu bei, dass die Flüssigkeit schön hell und milchig aussieht. Darüber hinaus enthält
der Haferdrink Vitamin D2, B2 und B12 sowie Kaliumiodid. Wahrscheinlich haben
diese Zusätze keine großen Auswirkungen auf den Geschmack, kommen aber den Erwartungen
der Kundschaft entgegen. 

 

Als einigermaßen interessierte Verbraucherin ohne
Kenntnisse in Lebensmittelchemie, sehe ich das alles unkritisch. Für jemanden,
der sich morgens einfach nur ein Müesli anrühren will und dafür normalerweise sehr gerne Milch oder Joghurt verwendet, ist gekühlter Haferdrink eine Überraschung. Der
Hafergeschmack, den ich schon an meinem Müesli so mag, wird durch das Produkt
verstärkt. Natürlich verbindet sich der intensive Hafergeschmack auch mit
anderen bekannten Partnern wie frischen Pfirsichen, Äpfeln, Rohrzucker, Rosinen
oder Dinkelflakes. Wer Müesli nicht nur isst, um irgendwas in sich
reinzulöffeln, sondern wegen des Hafergeschmacks, wird diese Option ganz sicher lieben. 

 

Wer morgens etwas Sättigendes mit wenig Kalorien braucht, ist allerdings mit echter Milch oder Joghurt besser beraten. Hafermilch enthält mit 1% leider keine ernstzunehmenden Mengen an Eiweiß. 

 

 

Müesli mit Haferdrink | pastasciutta.de

 

 

Warum gekaufter Haferdrink meist besser schmeckt

 

Ein bisschen schade ist, dass dieses tolle Geschmackserlebnis sich nur sehr schwer ohne Hilfe der Lebensmittelindustrie
nachahmen lässt. Anders gesagt, selbstgemachte Hafermilch schmeckt nicht so gut
wie die gekaufte. Das hat im Wesentlichen einen Grund, und der heißt Enzyme.
Diese tauchen in der Zutatenliste nicht auf, weil es nicht vorgeschrieben ist. Doch das
Verfahren ist keineswegs unlauter. Daher geht die Industrie auch sehr freimütig
mit der Information um und erklärt offen, dass sie Enzyme einsetzt, um die
Stärke des Hafers in Zucker umzuwandeln. Der Blick auf die Nährwerte verrät,
was das bedeutet. 

 

Würde man zu Hause 10 g Haferflocken mit 90 g Wasser mischen,
um den Haferdrink nachzubauen, erhielte man ein Getränk mit durchschnittlich
6,9 g Kohlenhydraten, davon 77 mg Zucker. Im Vergleich dazu enthält der
Haferdrink 6,6 g Kohlenhydrate, davon 4,1 g Zucker. Es ist also klar, dass kein
Zucker zugesetzt wurde, denn die Gesamtmenge der der Kohlenhydrate entspricht den deklarierten Zutaten. Um den Geschmack zu verbessern, wurde lediglich ein
chemisches Verfahren angewendet, um das Getränk süßer zu
machen.

 

Wollte man genau die Zutaten, auf die der verbesserte Geschmack hauptsächlich zurückzuführen ist, hinzufügen, dann müsste man
einen Liter Hafermilch herstellen,
der etwa 40 g Zucker, 30 g Rapsöl und 1 g Salz enthält. Abgesehen davon, dass
man Dikaliumphosphat kaum im Haushalt rumstehen hat und daher unter anderem etwas
mehr Salz für den selbstgemachten Drink benötigt, würde sich das
Nährstoffprofil des Getränks leicht verändern. Der zusätzliche Zucker erhöht
die Gesamtmenge der Kohlenhydrate und damit auch die Kalorienzahl.

 

Was übrigens im großen Maßstab eine unerwartet kleine Rolle spielt, ist das Ausfiltern der Faseranteile. Eigentlich hatte ich erwartet, dass die unverdaulichen Pflanzenbestandteile, die auch ein wenig den Geschmack dämpfen, wenigstens teilweise in der Haferdrinkfabrik entfernt werden. Tatsächlich entspricht der Anteil an Ballaststoffen aber ungefähr dem, der zu erwarten wäre, wenn nichts im Filter hängen bliebe.

 

Den Hafer selber melken 

 

Obwohl sich das alles wie ein
Plädoyer für ein hochverarbeitetes Produkt der Lebensmittelindustrie liest, kommt jetzt noch ein Rezept. Denn selbstverständlich kann man Hafermilch selber
machen und sollte es auch tun, wenn man Lust dazu hat. Und im Gegensatz zu professionellen Anbietern darf man das Zeug privat so nennen, auch wenn es nie einen Euter von innen gesehen hat. Oder man sagt einfach Haferzeug dazu oder erfindet ganz
neue Namen, wer weiß? Mit den vorangegangen Überlegungen lassen sich sogar
Schlüsse auf ein sehr wohlschmeckendes Rezept ziehen. Weil die Profis, wie schon erwähnt, ein paar kleine Vorteile gegenüber uns Heimwerkern haben, habe ich mir die Verwendung von Vollrohrzucker erlaubt. Damit erreiche ich nicht nur eine gewisse Süße, sondern kombiniere die Haferflocken mit einem ihrer liebsten Verbündeten. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Mein selbstgemachter Drink schmeckt wunderbar nach Hafer und macht sich ungefiltert sehr gut im Müesli. 

 

Nachtrag: Unterm Strich hat der gekaufte Haferdrink auch die Nase vorn, wenn es um die Verwendung im Kaffee geht. Wenn die selbstgemachte Hafermilch einige Zeit im Kühlschrank aufbewahrt wurde, kann sie mit Haferdrink aus dem Geschäft in dieser Disziplin kaum noch mithalten.

 

 

 
Zutaten für 1 Liter hausgemachten Haferdrink | pastasciutta.de
 

 

 

Rezept: Hausgemachte Hafermilch / Haferdrink

 

ergibt 1 Liter
 
Man braucht:
Standmixer
eventuell Nussmilchbeutel oder Passiertuch und Sieb

Zutaten:

840 ml sehr kaltes Leitungswasser

100 g Haferflocken

40 g Vollrohrzucker

20 g Erdnussöl (oder anderes neutrales Pflanzenöl)

ca. 3 g Salz

 

So geht’s:

 

Alle Zutaten in den Mixer geben und auf höchster Stufe sehr fein quirlen. Zwischendurch mal stoppen und probieren, ob die Milch schon sämig und glatt genug ist und ob die Salzmenge passt.

 

Soll die Hafermilch für Kafee verwendet werden, ist es nötig, sie zusätzlich durch einen Nussmilchbeutel oder ein Tuch zu passieren. Auf diese Weise wird sie etwas weniger schleimig.

 

Den Drink in eine Flasche mit Schraubverschluss füllen, im Kühlschrank aufbewahren, vor dem Verzehr gut schütteln. Rasch verbrauchen.

 

Nährwerte / 100 g:

Energie: 71 kcal

Eiweiß: 1,32 g

Fett: 2,66 g

Kohlenhydrate: 10,9 g

         
davon Zucker: 4,06 g

 

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